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Eine Investition in Hygiene und Werterhalt – und gegen den Kalk

Eine Investition in Hygiene und Werterhalt – und gegen den Kalk

Heizung / Warmwasserboiler sollten alle vier bis fünf Jahre entkalkt werden. Wie sieht ein solcher Service aus, und worauf ist dabei zu achten? Wir haben einen Servicetechniker zu zwei ganz verschiedenen Objekten im Raum Zürich begleitet.

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Am Zürichberg liegt dichter Nebel. Auch das grosse Mehrfamilienhaus aus den 1960er Jahren scheint wie in Watte gehüllt, als Dani Höhener eine Pumpe in den Technikraum trägt. Der Servicetechniker Boiler bei ELCO erklärt: «Beim Boilerservice muss man zuerst einmal den Speicher entleeren. Erst dann kann ich mit der Reinigung beginnen.» Gesagt, getan. Dani Höhener schliesst die nötigen Ventile, um den Boiler vom Wasserkreislauf zu trennen. Danach schliesst er die Pumpe an. Nach ungefähr zehn Minuten ist der grosse 800-Liter-Speicher bereits entleert. Nun beginnt die eigentliche Arbeit. Der Servicetechniker entfernt die obere und untere Abdeckung auf der Frontseite des Geräts. Darunter kommt je ein Deckel zum Vorschein, dessen Schrauben nun sorgfältig gelöst werden. Die obere Öffnung dient Revisionszwecken, die untere enthält die Anode. 

 
Vergleich zwischen alter Anode und neuer Anode bei einer Heizungssanierung

Sinnvolles Opfer

Diese Anode, einen langen, unansehnlichen und stark korrodierten Metallstab, zieht Dani Höhener sorgfältig aus dem Boiler und legt sie auf den Boden. Ist hier etwas schief gelaufen? «Nein», sagt der Fachmann mit einem Lächeln, «das funktioniert alles genau so, wie es muss.» Die Anode besteht aus Magnesium, einem sogenannt unedlen Metall. Sie wird im Boiler eingesetzt, um die Korrosion anzuziehen, welche beim Kontakt von Wasser und Sauerstoff mit metallischen Oberflächen unweigerlich stattfindet. «Die Wände des Boilers bestehen aus emailliertem Stahl. Darauf möchten wir keinen Rost, und darum wird die Anode benutzt», erläutert Dani Höhener. Weil die Magnesium-Anode sich wortwörtlich zugunsten des Edelstahls opfert, wird sie auch als «Opferanode» bezeichnet. Das heisst, sie muss irgendwann ersetzt werden. 

 
Fachperson arbeitet an einem grossen Warmwasserspeicher im Technikraum einer Heizungsanlage

Genau das hat Dani Höhener vor. Er trägt die alte Anode zu seinem Servicefahrzeug, nimmt eine neue, unversehrte Anode aus der Verpackung und kürzt sie mit der Metallsäge auf die richtige Länge. Danach wird die neue Anode auf dem Deckel befestigt, damit sie wieder im Boiler eingebaut werden kann. Doch vorher ist noch eine gründliche Reinigung notwendig. Dani Höhener führt den Schlauch durch die obere Öffnung in den Boiler und spült mit routinierten Bewegungen schwärzliche Flocken aus. Was auf den ersten Blick einfach nach Dreck aussieht, ist eine Mischung von Kalk, Rost, Sand und Schmutz aus den alten Leitungen. «Dieses ganze Material verlängert die Aufheizzeit des Boilers. Das heisst, je mehr unnötige Ware im Wasser ist, desto mehr Energie benötigt man, um das Warmwasser auf die richtige Temperatur zu bringen», sagt Dani Höhener. 

 

Hygiene geht vor

Auf den ersten Durchgang mit dem Schlauch folgt deshalb ein zweiter mit dem Industriestaubsauger. Mit der Taschenlampe leuchtet der Servicefachmann ins Innere und überzeugt sich, dass die Innenwände sauber sind. Erst dann wird die neue Anode montiert. Die Deckel erhalten neue Dichtungen, werden auf die Öffnungen platziert und von Neuem verschraubt. Nun wird der Boiler wieder mit Wasser gefüllt, die Aufheizphase beginnt. «Grüezi, dauert es noch lange, bis wir wieder Wasser haben?», erkundigt sich eine ältere Dame in Hausschuhen. «Etwa eine Viertelstunde», meint Dani Höhener. Er räumt Pumpe, Werkzeug und Material zusammen, wäscht seine Hände und prüft ein letztes Mal den Boiler. Dann nickt er zufrieden und klebt eine neue Revisionsetikette auf das Gerät. In fünf Jahren ist der nächste Service fällig. 

 
 
Person in einem Technikraum vor Warmwasserspeicher und moderner Heizungsinstallation

Viele Eigentümerschaften zögern bei der Entkalkung ihrer Boiler. Je nach Grösse eines Gerätes variiert diese von ungefähr 480 Franken (100 Liter Volumen) bis 550 Franken (500 Liter Volumen). Eine Ausgabe, die sich manche gerne sparen würde. Doch Werner Burri, Gruppenleiter Service bei ELCO, schüttelt den Kopf und sagt: «Denken Sie an den Wasserkocher. Auch mit sehr viel Kalk erwärmt dieser noch das Teewasser. Aber möchte man wirklich aus einem Gefäss trinken, in dem es dicke Kalkränder und wer weiss was alles drin hat?» Statt den Boilerservice als Ausgabe zu betrachten, solle man ihn eher als Investition für die Gesundheitsvorsorge, die Hygiene und den Werterhalt sehen, rät Werner Burri:«Das Warmwasser aus dem Boiler braucht man jeden Tag – beim Duschen, Händewaschen oder auch beim Rüsten in der Küche. Unabhängig vom Kalkgehalt des Wassers ist es wichtig, eine saubere Installation zu haben. Und das geht eben nur mit einem regelmässigen Service.»

 

Regelmässig investiert

Energiesparen und Hygiene liegen auch Roland Bachofner am Herzen. Der nächste Kunde auf Dani Höheners Route bewohnt gemeinsam mit seiner Frau ein rund 25jähriges Einfamilienhaus im Zürcher Oberland. «Auch unser Boiler ist mittlerweile 25jährig. Wir möchten ihn noch weitere vier bis fünf Jahre nutzen, bevor er ersetzt werden muss.» Deshalb steht die regelmässige Entkalkung an. Auch hier führt Dani Höhener dieselben Arbeitsschritte aus: Entleeren, Reinigen, Ersatz der Opferanode, Wiederbefüllung und Funktionskontrolle. Währenddessen erzählt Roland Bachofner, dass er bezüglich Unterhalt umdenken musste: «Mein bester Kollege ist 'Heiziger' und hat mir erklärt, dass die regelmässige Boilerentkalkung zum Werterhalt der Liegenschaft beiträgt. Das hat mich überzeugt, und darum machen wir das auch alle vier bis fünf Jahre.» Aufgrund der Energiegesetze dürfen die lange Zeit üblichen Elektro-Direktboiler in den meisten Kantonen nicht mehr verbaut werden. Stattdessen rüsten viele Eigentümerschaften ihre Warmwassererzeugung auf Wärmepumpenboiler um. Diese Geräte sind ungleich effizienter, wird doch die notwendige Wärme mit einer Kleinst-Wärmepumpe aus der Umgebungsluft gewonnen. Doch auch hier empfiehlt Werner Burri eine regelmässige Entkalkung. Oder besser gesagt: einen regelmässigen Service für Hygiene und Werterhalt.

 

Wann entkalken?

Empfohlen wird die Boilerentkalkung laut Werner Burri für alle Gebiete, deren unbehandeltes Wasser bei mehr als 15 französischen Härtegraden (fH) liegt. Die Information zur Wasserhärte findet man in der Regel auf der Website der Wohngemeinde oder des Wasserversorgers. Auch wenn im Gebäude eine Entkalkungs- oder Enthärtungsanlage montiert ist, sollten nach dieser immer noch acht bis zehn Härtegrade gemessen werden. «Man will das Wasser nicht komplett entmineralisieren. Denn Kalk ist auch ein Geschmacksträger, etwa beim Kaffee», sagt Werner Burri. 

 

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